„Innenstädte müssen sich weiterentwickeln!“

© Stadt Ingolstadt / Hammer

Es habe sich gezeigt, dass das Thema Innenstadt kein spezielles Ingolstädter Thema ist, stellte Oberbürgermeister Christian Scharpf fest, viele Städte in Deutschland kämpften mit den gleichen Problemen. „Innenstädte müssen sich weiterentwickeln, nicht nur Shopping Malls sein, sondern ein Mix aus Wohnen, Arbeiten, Einkaufen, Kultur und Gastronomie“, erklärte Scharpf. Dass Ingolstadt frühzeitig, also gleich zu Beginn der Pandemie, einen Prozess in Gang setzte, um mit viel Bürgerbeteiligung und Expertise neue Konzepte zu entwickeln, mache sich jetzt bezahlt. Jetzt würden Förderprogramme aufgelegt und angeboten und Ingolstadt habe schon fertige Projekte, um darauf zuzugreifen.
Das große Interesse der Bevölkerung zeige sich in der hohen Beteiligung an den Arbeitskreisen und Themenwerkstätten des Runden Tisches Innenstadt. Die Aufgabe der Stadt sei nun die Koordinierung und Vernetzung.

Vor einem Jahr tagte der Runde Tisch Innenstadt im Juli 2020 als begleitendes Gremium des Innenstadtprozesses erstmalig, mit seiner Sitzung am gestrigen Mittwoch beendet er die Bürgerdiskussion fürs Erste – doch die Arbeit geht weiter. Oberbürgermeister Dr. Christian Scharpf und Wirtschaftsreferent Prof. Georg Rosenfeld haben nun bei einem Pressegespräch zufrieden Bilanz gezogen.

Ziel des Innenstadtprozesses war ein Maßnahmenpaket, um die Aufenthalts- und Erlebnisqualität in der Altstadt zu verbessern, die Nutzungs- und Angebotsvielfalt zu erhöhen sowie die Resilienz der Ingolstädter Innenstadt zu stärken. Der vom Oberbürgermeister angestoßene Prozess fand seinen Höhepunkt in einer breit angelegten, digitalen Bürgerbeteiligung: Als Grundlage dienten gut 500 Ideen aus der Bürgerschaft, die per E-Mail, Brief und Sozialen Medien eingereicht wurden. Einbezogen wurden auch bestehende Konzepte der Stadtverwaltung aus vergangenen Studien.

Nach einer Auftaktveranstaltung im November 2020 meldeten sich 300 Teilnehmer/-innen für insgesamt 18 Arbeitskreise zu verschiedenen Themenschwerpunkten. Die Arbeitskreise wurden von meist ehrenamtlichen Moderatoren/-innen autark geleitet und tagten mehrfach. Inhalt waren neben der Diskussion vor allem die Einschätzung der Bürger/-innen und Priorisierung der Maßnahmen hinsichtlich Umsetzbarkeit und Dringlichkeit. Die fachliche Prüfung erfolgte anschließend durch die Verwaltung. Am Mittwoch wurde das Innenstadtkonzept mit 25 Maßnahmen in Form einer Broschüre veröffentlicht, das dem Stadtrat am 29. Juli zur Kenntnis gegeben und anschließend aktiv vorangetrieben und umgesetzt wird.

„Besonders erfreulich ist, dass wir durch die kurzfristige Konzeption des Prozesses und die digitale Durchführung Zeit gespart haben und somit frühzeitig in die Umsetzung der Maßnahmen gehen konnten. Viele Ideen sind bereits sichtbar oder zumindest angestoßen, so dass sie im nächsten Jahr für alle Beteiligten erlebbar werden“, freut sich Oberbürgermeister Christian Scharpf. „Besonders begeistert mich, mit welch großem Engagement und Herzblut sich die Bürgerinnen und Bürger am Runden Tisch beteiligt haben, das war ein bemerkenswerter Einsatz, für den ich allen Beteiligten herzlich danken möchte. Die Altstadt ist das Herz von Ingolstadt, wir wollen sie noch lebens- und liebenswerter machen – der Prozess geht also weiter!“

In der Veranstaltung am Mittwoch wurden der Prozess reflektiert, Ergebnisse präsentiert und zugleich der Blick nach vorne geworfen. Neben einleitenden Worten von Oberbürgermeister Scharpf und Wirtschaftsreferent Rosenfeld ist eine Podiumsdiskussion vorgesehen: Die Teilnehmenden bilden einen Querschnitt aus Rundem Tisch und Projektbeteiligten. Außerdem gab es einen freien Stuhl für spontane Wortmeldungen aus dem Runden Tisch und dem neu gewählten Jugendparlament. Eine Poster-Session mit Präsentation der 25 Maßnahmen und der Möglichkeit zum lockeren Austausch rundeten die Veranstaltung ab.

„Wichtig war allen Beteiligten, die Belebung der Innenstadt durch unterschiedliche Nutzungen voranzutreiben, ohne die dafür wesentliche Funktion des Einzelhandels abzuschwächen. Vielmehr soll Frequenz für den Handel statt durch den Handel geschaffen werden“, so Prof. Rosenfeld.

Ein erster Ansatz ist der Aufbau eines Kultur- und Kreativzentrums als zentraler Anziehungspunkt und Veranstaltungsort in der Innenstadt. Zudem sollen Leerstände zum einen dauerhaft durch ein neu etabliertes Leerstandsmanagement reduziert und zum anderen vorübergehend, analog dem bestehenden Projekt Cityfreiraum, bespielt werden. Ein besonderer Fokus im Stadtbild wird künftig auf vermehrte Begrünung gelegt. So sollen beispielsweise neue Bäume gepflanzt, Nebenstraßen aufgewertet und ein Modellprojekt zum „Urban Gardening” gestartet werden. Eine mehrtägige Sperrung der Schlosslände im September 2021 macht außerdem die Nähe zur Donau erlebbar und könnte künftig als außergewöhnliche Veranstaltungsfläche dienen. Mit dem Bau der Kammerspiele soll das gesamte Areal bis zum Viktualienmarkt ganzheitlich betrachtet und gegebenenfalls neugestaltet werden.

Das Innenstadtkonzept und seine Maßnahmen sind ein Gemeinschaftswerk. Der Dank gilt daher allen Mitwirkenden – dem Runden Tisch, den Patinnen und Paten, den Sprecherinnen und Sprechern und den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Arbeitskreise sowie den Referaten, Ämtern, Dienst- und Stabstellen der Stadtverwaltung. Alle haben mit ihren vielfältigen Ideen die Basis für diese Konzeption geschaffen und damit wichtige Impulse für die künftige Entwicklung unserer Innenstadt geliefert.

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